Volksbank-Forum mit Wolfgang Grupp

15.10.2019

Am Dienstag, 15.10.2019 veranstaltete die Volksbank Ammerbuch Ihr "Volksbank-Forum" mit einem Vortrag von Wolfgang Grupp, alleiniger Geschäftsführer und Inhaber der Firma Trigema.

Immer wieder führen Gier und Größenwahn von Unternehmern zum Verlust von Arbeitsplätzen. Nicht so bei Wolfgang Grupp, Chef der schwäbischen Oberbekleidungsfirma Trigema. Deutschlands größter Hersteller für Sport- und Freizeitbekleidung stellte mit seinem Vortrag „Verantwortung und Leistung der Unternehmer sind die Voraussetzung für sichere Arbeitsplätze“ seine Firmenphilosophie vor.

Artikel aus dem Schwäbischen Tagblatt, 17.10.2019

Zur Not auch Putzlumpen

Es sei nicht viel dran, an der Aussage, Trigema sei Deutschlands größter Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung. „Wenn Sie der Einzige sind, dann sind Sie auch der Größte.“ Mit Sätzen wie diesem unterhielt Wolfgang Grupp, allein haftender Inhaber von Trigema aus Burladingen, am Dienstagabend die rund 100 geladenen Gäste im Forum der Ammerbucher
Volksbank.

Zu ihrem ersten Abend in diesem Format hätte sich die Genossenschaftsbank kaum einen unterhaltsameren Redner laden können. Ums Thema „Verantwortung und Leistung der Unternehmer sind die Voraussetzung für sichere Arbeitsplätze“ ging es dem 77-Jährigen, der vor 50 Jahren vom Vater eine mit 10 Millionen Mark verschuldete Firma übernahm.

Es war eine Mischung von persönlichen Grundsätzen und Management-Methoden, die Grupp mit Verve vortrug. Ein Teil seiner Ausführung ist hier jeweils unter einem Grupp-Zitat des Abends zusammengefasst.

„Ich muss meine Aufgaben als Unternehmer in meinem Heimatland erfüllen.“
Grupp wetterte unter dieser Überschrift gegen die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, vor allem dann, wenn sie miserabel bezahlt sind, dort Kinder arbeiten müssen, die auch unter „Giftzeug und Abfall“ überleben müssten. „Ich würde das nicht können.“

„Wir müssen Produkte produzieren,die die anderen wollen.“
Der Textilunternehmer fasste so seine Einschätzung zusammen, das deutsche Unternehmen immer die Chance hätten, am Markt zu bestehen, wenn sie neue Ideen umsetzen. „Wir müssen als erste etwas machen.“ Er ärgert sich, dass die deutschen Autobauer nicht längst Alternativen zum Verbrennungsmotor anbieten können und Tesla und Toyota die Technologie-Führerschaft haben.

„Wir brauchen ein zurück zur Familie.“
Dieser Einschub kam relativ früh in seinem Vortrag. Grupps Leitbild war: „Die Mamma ist der erste Ansprechpartner für die Kinder.“ Als er seine wesentlich jüngere Frau geheiratet habe, sei klar gewesen, dass sie ihr Medizinstudium aufgeben muss, um sich um die beiden Kinder zu kümmern. Andere Familienmodelle hält er für wenig erfolgreich, das zeige die Natur: „Ich habe noch nie einen Hirsch mit einem Hirschkalb gesehen.“

„Ich mach auch Putzlumpen.“
In einer längeren Passage erklärte Grupp, wie Trigema im Textilbereich wirtschaftlich überlebte. Seine Firma habe reagiert, als die Kundschaft unter Textil-Häusern und Versandhändlern pleite gingen. „Mein Aufgabe war es dann, neue Kunden zu suchen.“ Er fand sie in Selbstbedienungsläden wie Metro, später auch bei Discountern wie Aldi, noch später durch Fabrikverkauf und Online-Handel. Mit Aldi habe er einst 40 Prozent seines Umsatzes gemacht. Als Aldi auf eine Eigenmarke umgestiegen ist, die Trigema für eine Drittel billiger anbieten sollte, lehnte Grupp ab. „Aldi war ein toller Kunde. Ich konnte auf den Scheck mit der Uhr warten.“ Trotzdem konnte er das nicht zu den geforderten Preisen anbieten.

Zu seiner vierstufigen Produktion – vom zugekauften Garn, dem Stricken und Wirken, dem Bleichen und Färben bis zur Veredlung und der Konfektion mit rund 700 Näherinnen an drei Standorten (einer davon in Rangendingen) – kam noch der Handel dazu. Grupp schaute sich das Prinzip bei Hugo Boss ab, gründete „Testgeschäfte“ in Urlaubsregionen. Eine seiner Entscheidungen: Trigema produziert auch ohne konkreten Auftrag. Langfristige Lieferverträge gebe es in der schnelllebigen Mode ohnehin nicht mehr. Weil Trigema aus dem Lager liefern kann, sind sehr kurze Fristen zu halten. „Da bin ich den Chinesen überlegen.“

„Ich bin da, um konstant zu entscheiden.“
Der Unternehmer erzählte aus seinem Büroalltag, im Großraumbüro mit der kompletten Verwaltung. „Wenn jemand an meinen Schreibtisch kommt, dann wird entschieden.“ Die 35 Vollzeitstellen dort hält er schlank. „Mehr Leute würden nur mehr Geld ausgeben.“ Gelegentlich nimmt er sogar einfach selbst einen Telefonanruf entgegen, wenn alle im Gespräch sind. Trigema hat nämlich keinen Vertrieb. Die Kundschaft meldet sich.

„Ich will Geld verdienen.“
Grupp legte seine Zahlen o×en. Bankkredite braucht er nicht. Bei den aktuell etwas über 100 Millionen Euro Umsatz seien nur 22 Prozent Einkauf, 78 Prozent Wertschöpfung. 54 Prozent beträgt sein Lohnanteil. Für ihn kein Problem. Er sei kein „Sozial-Säusler“, aber faire und transparente Löhne sind ihm wichtig. Eine Orientierung am Umsatz, an schierer Unternehmensgröße sei ihm fremd. „Lieber nicht so bekannt und dafür nicht pleite.“ Deshalb gelte für ihn die Rendite als Maßstab.

„Ein gescheiter Akademiker aus Hamburg kommt nicht nach Burladingen.“
Bei Trigema hätten alle leitenden Angestellte als Lehrlinge im Betrieb begonnen, auch die Finanzbuchhalterin und der IT-Leiter, so Grupp. Jedes Jahr gebe es ein, zwei 50-jährige Betriebszugehörigkeiten zu feiern. Von der Treue der Beschäftigten lebe Trigema. Bis zu drei Generationen einer Familie arbeiteten im Betrieb. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes stehe deshalb für ihn an erster Stelle. Integration von Flüchtlingen ist für Wolfgang Grupp so selbstverständlich, dass er nur nebenbei erwähnt, dass er rund 50 Flüchtlinge beschäftigt. Wirtschaft Trigema-Chef Wolfgang Grupp erklärte in Entringen, wie Rendite-Denken zu 1200 Arbeitsplätzen im Hochlohnland führt. (Mario Beißwenger)

Gruppenbild mit Grupp: Neben dem Trigema-Chef Wolfgang Grupp Volksbank-Vorstand Peter Bauer, Aufsichtsratsvorsitzender Valentin Hönle und Marco Salzbrunn (von links). Bild: Mario Beißwenger